Keine Macht den Ablenkungen

Keine Macht den Ablenkungen!

Plagen dich Ablenkungen, ist konzentriertes Arbeiten ein Ding der Unmöglichkeit. Auf Ablenkungen hast du nur bedingt Einfluss. Eine Baustelle vor deinem Haus kannst du nicht abstellen, das ist korrekt – dein Smartphone schon. Ich danke dir, dass du dich jetzt, genau jetzt auf meinen Artikel konzentrierst!

Unser Beispiel für diesen Artikel:
Jessica, Auszubildende im Büro, muss die leidigste aller Aufgaben über sich ergehen lassen: Führung des Berichtshefts. Es ist jetzt 17:00 Uhr und sie ist um 20:00 Uhr mit Freunden verabredet. Allerspätestens um 19:00 Uhr muss sie sich fertigmachen, sonst wird es knapp.

Konzentration vs. Ablenkung

Du weißt, wovon die Rede ist. Du weißt, was dich ablenkt. Oder etwa nicht? Vorteil an Konzentration ist, dass du (theoretisch) ungestört arbeitest. Deine Ressourcen wandern in die Aufgabe. Die vor dir liegende Aufgabe bildet das Zentrum deiner Interessen In diesem Augenblick. Und dann: Kollege Smartphone schreit, ihm käme keine Beachtung zugute. Eine Push-Nachricht vom neuen Profilbild eines Freundes auf Facebook.

So ein Mist aber auch! Das muss Jessica sich kurz, nur eben für höchstens zehn Sekunden, anschauen, den „Gefällt mir“-Button drücken und einen Kommentar abgeben. Kaum ist das erledigt, ploppt die Antwort eines Freundes auf, der seinerseits Kommentare abgibt. Sie antwortet, danach beginnt das digitale Gespräch.

Zurück bei der Aufgabe. Oh, dreißig Minuten sind vergangen. Die Aufgabe … wo war sie stehengeblieben? Ach ja. Da. Hmm, dabei sollte es nur eine halbe Stunde dauern, den Bericht zu schreiben. Sie ist bereits bei fünfzig Minuten und nicht mal die Hälfte ist geschafft. Oh – Jessica hätte fast vergessen, nach dem Veröffentlichungsdatum der Blu-ray zu schauen … der Benachrichtigungston eigehender E-Mails ertönt und fordert Aufmerksamkeit, weil die Welt untergeht, wenn Jessica nicht SOFORT reinschaut!



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Ablenkungsfrei arbeiten

Fällt dir was auf? Richtig, nicht nur ist der Satzbau des Artikels bis hierhin ein wenig chaotisch, sondern die Aufgabe ist – optimistisch gesehen – zur Hälfte erledigt und liegt auf Eis. Jessicas Konzentration ist „im Arsch“, sie ist gedanklich rausgerissen und muss sich hereinfinden. Fertig wird sie nicht, wenn sie den Prozess wie bisher fortsetzt. Die Ergebnis ist: Du bist bestimmt nicht anders als Jessica. Um ehrlich zu sein, kennen alle Smartphone-Besitzer das Problem.

Um den Bericht in Jessicas Beispiel konzentriert zu verfassen, musst du nicht viel tun. Ich habe keinen Link zu der Studie, aber Forscher ermittelten, dass es ausreiche, das Smartphone in der Nähe oder in der Hosentasche zu tragen, um abgelenkt zu sein. Die Teilnehmer hatten Angst, etwas zu verpassen. So wie Jessica. Wir Menschen sind auf Empfang getrimmt, erwarten jeden Augenblick eine Nachricht vom Kollegen Smartphone.

Der Schlüssel zum Erfolg ist „ablenkungsfreies Arbeiten“ (im Englischen „Distraction free“). Vor einigen Jahren waren Smartphones nicht derart populär und bei niemandem gehörte 24-Stunden-Erreichbarkeit zu den Voraussetzungen. Wir haben uns daran gewöhnt, eine Nachricht an Freunde zu schreiben und sie reagieren innerhalb einer geringfügigen Zeitspanne. Geschieht das nicht, sind manche Smartphone-Nutzer so penetrant und schreiben noch eine und noch eine Nachricht, bis du endlich, ENDLICH zurückschreibst. Um das zu umgehen, gibt es den Flugmodus.

Deine Rückkehr zur Konzentration

Schaltest du dein Smartphone und Tablet in den Flugmodus, trennt es Mobilfunk- und WLAN-Verbindungen. Bei modernen Geräten findest du den Flugmodus sowohl in den Einstellungen als auch im Schnellzugriff, zu erkennen an einem Flugzeug-Symbol. Sofern du eine Smartwatch besitzt, wird diese automatisch getrennt, da dein Gerät die Bluetooth-Verbindung kappt. In WhatsApp wird die an dich gesendete Nachricht nicht als gesendet oder gelesen angezeigt – der Nachrichtenschreiber weiß, dass keine Antwort erfolgen wird.

In meinem Freundeskreis wissen mittlerweile alle, dass es Momente gibt, in denen ich den Flugmodus einschalte und mich nicht ablenken lasse. Somit arbeitest du störungsfrei, ohne Ablenkungen. Die Aufgabe ist sorgfältig in der vorgesehenen Zeit erledigt.

Für Autoren gibt es eine Lösung: Schreibsoftware bietet die Funktion, ohne Störungen zu schreiben. Alles, was du siehst, ist ein ausgefüllter Monitor ohne Schnick-Schnack (z. B. Vollbildmodus oder „Ablenkungsfreier Modus“). Text auf einem Hintergrund. Radikale Software gefällig? Manche Programme schalten gemäß deinen Einstellungen Benachrichtigungen oder das Internet ab, andere lassen dich für die von dir definierte Zeit nicht aus dem Programm raus. Der Wechsel zum Browser ist ausgeschlossen.

In Jessicas Beispiel ist der Ton einer E-Mail-Benachrichtigung zu hören. Und das Veröffentlichungsdatum der Blu-ray – so viel wichtiger als der Bericht. Solche Dinge sind es, die du auf später verschieben solltest. E-Mails, soziale Medien und das Internet lenken dich ab – vorausgesetzt, du überlässt der Ablenkung die Macht.

Irgendwann steht eine Pause bei deiner Arbeit an. In der Pause lautet die Devise: Ablenkung von der Aufgabe! Für das Recherchieren im Internet, checken von Nachrichten und sozialen Medien sowie dem Abrufen der E-Mails ist jetzt Zeit. Überschreite nicht die von dir festgelegte Pausenzeit, sonst kommt es aufs Gleiche raus, als hättest du dich ablenken lassen.



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Störquellen ausmachen und neutralisieren

Zu Ablenkungen zählen nicht nur diese Dinge. Die Liste ist beliebig erweiterbar.

  • Der schnelle Hunger: Da du vorab nichts gegessen hast, knurrt der Magen und du zauberst dir eine Kleinigkeit für zwischendurch.
  • Durst: Die Wasserflasche ist leer, dein Glas schreit „Füll mich auf, verdammt! Mach schon, heute noch!“ und alles in greifbarer Nähe ist … nichts. Aufstehen, Nachschub holen.
  • Was drin ist, will wieder raus: Das Bedürfnis, die Toilette aufzusuchen, lenkt dich ab und du gibst nach. Muss schließlich sein!
  • Der Hund muss raus, leidet unter demselben Problem wie du. Ach, warte mal. Frisches Wasser im Napf gehört zu den Dingen, die auf Erledigung warten.
  • Der Computer nervt mit Updates, will neugestartet werden und erinnert alle paar Minuten daran.
  • Der Schreibtisch ist unordentlich und du suchst alles ab, um zu finden, was du zum Weitermachen brauchst.

Was haben die Punkte gemeinsam? Richtig, sie hätten vermieden werden können. Da du schlau bist, weißt du, worauf ich hinaus will.

  • Vorher essen, aber nicht zu viel, sonst wirst du müde, weil dein Körper die Riesenportion verarbeiten muss und alle Kraft auf die Verdauung konzentriert.
  • Checken des Füllstands: Ist die Flasche ausreichend voll oder brauche ich Nachschub? Früh genug zuschlagen = Sache aus dem Kopf.
  • Gehe vorher auf die Toilette …
  • … und lass dabei den Hund raus (oder lass die Tür gemäß Wetterlage offen, wenn möglich).
  • Installiere die Updates lange genug vorher, wenn störungsfreies Arbeiten auf dem Plan steht. Beachte, dass die Installation erfahrungsgemäß länger als gedacht dauert.
  • Räume regelmäßig auf.

Mittels Organisation die Ablenkungen rauswerfen

Vermeide Unterbrechungen durch geschickte Organisation. Verschiebe die Aufgabe um ein paar Minuten und erledige sie stattdessen am Stück. Sonst geschieht, was nicht sein soll, nämlich eine Unterbrechung. Du musst dich schlimmstenfalls einarbeiten, dein „Gedankenflow“ reißt ab. Die Fertigstellung verzögert sich.

Um auf Jessica zurückzukommen – Flugmodus an und ihr Problem wäre nicht entstanden. Die Blu-ray erscheint nach wie vor am gleichen Datum, ob sie dreißig Minuten früher oder später sucht. Sofern der Freund das Profilbild nicht alle zehn Minuten wechselt, reicht es, den Kommentar nach Erledigung der Aufgabe abzugeben. Lerne, die Prioritäten auf das zu legen, was wirklich, wirklich zählt.

In Zukunft rate ich dir, zu überprüfen, was dich ablenkt und als Folge zu reagieren. Brauchst du das Internet zum Erfüllen der Aufgabe? Am Notebook lässt sich WLAN abschalten, wodurch du Ablenkungen stoppst und die Akkulaufzeit verlängerst.

Eine weitere Option ist es, eine Liste auf Papier zu führen, in die du alles einträgst, was erledigt werden will. Fallen dir während des Schreibens Sachen ein, notiere sie. Hierdurch geraten sie nicht in Vergessenheit, dein Kopf freut sich und widmet sich ruhigen Gewissens der Aufgabe.

Diszipliniere dich, Ablenkungen nicht zuzulassen, oder wende Software für ablenkungsfreies Schreiben an. Organisation ist ein Talent, das du ab heute erlernst. Akzeptiere Veränderungen an dir und deiner Umwelt. Gib den Ablenkungen keine Macht über deine Produktivität!


Was lenkt dich ab und wie hast du dich von der Last befreit? Teile jetzt deine Meinung unten in den Kommentaren oder auf Facebook mit uns! Bin gespannt, was zusammenkommt.


Marcel Niggemann

Über

Marcel Niggemann ist als Kaufmann im Einzelhandel in einer PC- und Multimedia-Abteilung tätig. Er weist eine über 20-jährige Erfahrung im EDV-Sektor auf. Seit 2008 veröffentlicht er Romane sowie Ratgeber und führt seit 2017 diesen Blog.