Plot vs. Discovery Writing

Plot vs. Discovery Writing

Es ist eine Grundsatzentscheidung, wie du dein künftiges Buch schreiben möchtest. Heute dreht sich alles um Plotter und Discovery Writer. Welche Vor- und Nachteile ergeben sich daraus und welchen Weg schlägst du ein?

Was es bedeutet: Plot und Discovery Writing

Zunächst ist wichtig, die Unterschiede zu kennen. Als Plotter planst du deinen Roman viel detaillierter aus, ehe du mit dem eigentlichen Schreiben anfängst. Dein erster Entwurf entsteht erst, sobald ein Grundgerüst an Informationen zum Verlauf deines Plots steht. Was sind die wichtigsten Ereignisse, wo stecken die Wendepunkte des Plots, welche Konflikte erstrecken sich über deine Geschichte hinweg und wie sieht das Ende aus? Ebenfalls zu dieser Vorausplanung zählen deine Figuren und das World Building.

Als Discovery Writer (auch bezeichnet als Pantser oder entdeckender Schreiber) machst du dir nur wenige bis keine Gedanken, sondern fängst mit der Grundidee an, deinen ersten Entwurf zu schreiben. Während des Schreibens fallen dir neue Ideen ein und du spinnst den Plot fortführend weiter. Man kann sagen, dass du zu Beginn des Schreibens noch nicht genau weißt, wohin die Reise geht. Deshalb besteht die Möglichkeit, vielfältige Wendungen zu „entdecken“, die deine Planung schlimmstenfalls nicht hervorgebracht hätte.

In beiden Fällen erfolgt nach dem ersten Entwurf die Überarbeitung. In der Natur der Planung bzw. des entdeckenden Schreibens werden die größten Unterschiede im Rahmen der Überarbeitung deutlich. Mehr dazu in den Vor- und Nachteilen.



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Eine Frage der Technik

Deine Entscheidung, wie du deinen Roman schreiben möchtest, kann dir keiner abnehmen. Beide „Welten“ haben ihre Vorteile, aber auch gehörige Nachteile. Ich kann mir nicht vorstellen, eine Geschichte ohne Planung zu schreiben und zähle daher zu den Plottern. Vorlagen mit vielen, vielen Details helfen mir, die Planung zu strukturieren und diese Struktur in künftige Buchprojekte einfließen zu lassen.

Meine Vorlagen halte ich allgemein und sie enthalten alles, was wichtig ist. Beim Beginn eines neuen Projekts kopiere ich den Vorlagenordner, benenne ihn um und lösche das aus den Vorlagen heraus, was irrelevant für mein Projekt ist. Damals habe ich Geschichten ohne das Plotten geschrieben – und heute stelle ich beim Lesen fest, dass sich viel zwischen Anfang und Ende geändert hat, das sich nicht hätte ändern dürfen.

Wenn du dir unsicher bist, welche Technik für dich geeignet ist – probiere es aus! Nimm dir eine Geschichte von 20.000 Wörtern vor. Die investierte Zeit lohnt sich!

Arbeiten als Plotter

Das sind meiner Meinung nach die wichtigsten Vorteile:


  • Du verlierst den roten Faden nicht aus dem Auge.
  • Alle wichtigen Elemente des Romans werden vor dem Schreiben ausgearbeitet und finden ihren Weg in die Planung.
  • Das Ziel deiner Reise ist dir bekannt und du kannst ohne Schreibblockaden arbeiten. Zu jedem Zeitpunkt weißt du, woran du als Nächstes arbeiten wirst und worauf die Geschichte hinausläuft.
  • Du hast stets die Übersicht über deinen Plot und dessen Verlauf – ganz egal, in welchem Kapitel du steckst.
  • Die Überarbeitung erfolgt schneller und einfacher, da du dir um grundlegende Romanstrukturen kaum noch Gedanken machen musst.
  • Schon bei der Planung sortierst du überflüssige Elemente aus, ohne sie niederzuschreiben und Zeit darin zu investieren. Mögliche Änderungen im übrigen Plot entfallen, sobald eine solche Szene entfernt wird.

Im Umkehrschluss gibt es auch Nachteile:


  • Je nach Vorgehensweise kann die Planung sehr zeitintensiv ausfallen.
  • Manche verlieren sich in der Planung, weil sie perfekt sein soll (ist sowieso ein Ding der Unmöglichkeit). Wenn beim Plotten schon zehn Überarbeitungen erfolgen, bringt es dir nichts.
  • Du könntest feststecken, weil manche Hindernisse sich während des Schreibens von allein erledigen. Stattdessen liegt die Planung brach und du hast eine Art „Planungsblockade“.
  • Obwohl du heiß darauf bist, deine Geschichte zu Papier zu bringen, steht Geduld an, da deine Planung erst fertig sein soll.
  • Wann fängst du endlich mit dem Schreiben an?



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Ungezwungen als Discovery Writer

Im Vergleich zum Plotter ergeben sich ganz andere Vorteile:


  • Die frische Idee verleitet dich dazu, sofort mit dem Projekt zu beginnen. Es juckt in den Fingern, Szene für Szene und Kapitel für Kapitel runterzuhämmern. Deine Tastatur kommt ins Schwitzen.
  • Du befreist dich vom Gefühl, unter Zwang zu stehen. Dir sind gegenwärtig keine Grenzen beim Entwurf gesetzt und du kannst dich frei entfalten.
  • Dein Bauchgefühl verrät dir, wo die Reise hinführt und wie es weitergeht.

Allerdings hat die kreative Freiheit seine Schattenseite:


  • Allem voran: Planung schafft Struktur. Oft stehen Discovery Writer vor dem Problem eines chaotischen ersten Entwurfs.
  • Das Chaos wird durch Überarbeitungen ins Reine gebracht (hier leisten Plotter vor dem Schreiben die Vorarbeit; Discovery Writer im Nachgang). Der rote Faden wird nachträglich integriert.
  • Komplette Szenen zu überarbeiten dauert länger als die Änderung an Stichpunkten beim Plotten.
  • Stockt eine Szene und du weißt nicht, wie die Geschichte weitergehen soll? Die anfängliche Euphorie weicht der knallharten Schreibblockade. Im Worst-Case brichst du das Projekt ab, weil es keinen Sinn mehr ergibt.
  • Insbesondere nebenberufliche Autoren haben weniger Zeit für ihre Romane. Mit der Zeit können dir wichtige Details entfallen und du hast lose Enden oder Stopper im Plot. Der erste Entwurf entsteht über einen langen Zeitraum.
  • Die Länge ist unbekannt. Wie lang wird dein Roman? Wird er vielleicht viel zu lang oder verlierst du die Lust am Projekt? Dir fehlt ein Ziel vor Augen, deine Motivation schwindet.

Die gute Mischung bringt es

Wenn du unsicher bist, welcher Weg vor dir liegt, probiere es aus. Mit jedem Buchprojekt reichert sich dein Erfahrungsschatz an und du lernst, wie du es besser als je zuvor machst.

Ansonsten werfe doch beide Techniken in eine Tüte: Lege eine Grundstruktur fest (beispielsweise anhand der 3-Akt-Struktur). Plane die wichtigsten Stützpfeiler deines Plots nebst elementaren Dingen und schreibe dann anhand dieser wenigen Gehhilfen deinen ersten Entwurf.

Spätestens bei der Überarbeitung wirst du merken, welche Technik besser zu dir passt. Je mehr du an der Grundstruktur ändern musst, desto eher empfehle ich die Vorausplanung eines Plotters. Bedenke immer, dass es kein richtig oder falsch bei deiner Entscheidung gibt.


Wie siehst du das mit dem Plotten oder dem freien Schreiben als Discovery Writer? Teile jetzt deine Meinung unten in den Kommentaren oder auf Facebook mit uns! Ich freue mich darauf, von dir zu hören!


Marcel Niggemann

Über

Marcel Niggemann ist als Kaufmann im Einzelhandel in einer PC- und Multimedia-Abteilung tätig. Er weist eine über 20-jährige Erfahrung im EDV-Sektor auf. Seit 2008 veröffentlicht er Romane sowie Ratgeber und führt seit 2017 diesen Blog.